Ludger Beerbaum

Ludger Beerbaum

Vita

Vor mehr als 25 Jahren hatte Ludger Beerbaum seinen ersten großen Auftritt im Springparcours: Bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften verpasste er mit Wetteifernde den Titel nur knapp, landete auf dem zweiten Rang. Es war der Beginn einer großen Karriere: Der im niedersächsischen Adelebsen Geborene hat inzwischen mehr als 30 nationale und internationale Medaillen erobert, darunter allein viermal olympisches Gold, und gilt als einer der erfolgreichsten Springreiter aller Zeiten. Bei Deutschen Einzel-Meisterschaften landete er seit 1987 insgesamt 14 Mal auf dem Treppchen. Keine Überraschung, dass der bekennende Bayern-München-Fan mit acht Titeln inzwischen auch deutscher Rekordmeister ist.

Als "Vorbild im Sport" ausgezeichnet

Aber nicht nur im Springparcours, sondern auch außerhalb geht Beerbaum voran. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen war er Fahnenträger des deutschen Teams. "Beerbaum entspricht dem Idealbild eines mündigen, selbstbestimmten Athleten, der Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten ausschöpft und mit seinem Auftreten ein Vorbild für die Jugend ist", so die Begründung des Nationalen Olympischen Komittees für die Auswahl. Und bei der Fernseh-Gala "Sportler des Jahres 2006" wurde der Erfolgsreiter mit einem Preis für Vorbilder im Sport ausgezeichnet. Die Jury ehrte ihn damit für sein langjähriges Engagement in der Talentförderung. Seit vielen Jahren besucht Beerbaum Jugend-Turniere und hat immer wieder talentierte Nachwuchs-Reiter auf seiner Anlage in Riesenbeck zu Gast. Prominenteste Zöglinge des vierfachen Olympiasiegers sind Marco Kutscher, der es mit Beerbaums Unterstützung vom jungen Bereiter bis zum EM-Titel gebracht hat und Phillip Weishaupt – Deutscher Meister der Springreiter 2009.

In seiner eigenen Karriere hat er erfahren, wie weit man es mit harter Arbeit bringen kann: Er gilt als extrem ehrgeizig - ist nach schlechten Ritten sogar kaum ansprechbar. Andererseits gibt es kaum jemanden, der sich so akribisch vorbereitet. Beerbaum macht sich viele Gedanken darüber, wie, wann, bei welchem Turnier und unter welchen Bedingungen er seine Pferde einsetzt. 

Auch Beerbaum wurde einmal entdeckt: Der 1985 verstorbene Bundestrainer Hermann Schridde hatte das Talent und den Fleiß des Niedersachsen bereits Ende der 70er Jahre in seinem Notizbuch vermerkt. Allerdings musste der Erfolgsreiter zu Beginn seiner Karriere auch herbe Rückschläge einstecken: Als 15-Jähriger lag er nach einem Sturz sogar eine Woche im Koma. 1985 ging Beerbaum zu seinem mehrjährigen Förderer Paul Schockemöhle. Nach privaten Differenzen mit Schockemöhle wechselte er 1989 in den Stall des Unternehmers Alexander Moksel nach Buchloe. Dort gelang es ihm, einen sportlichen Kontrapunkt zur damals in Deutschland dominierenden Reiterzentrale in Mühlen aufzubauen. In dieser Zeit feierte er auch seinen größten Erfolg: 1992 holte Beerbaum in Barcelona olympisches Einzel-Gold. Nach einem kurzen Intermezzo im Bundesleistungszentrum Reiten in Warendorf machte sich der Niedersachse schließlich mit einer eigenen Reitanlage im westfälischen Riesenbeck selbstständig.

Jede Olympia-Teilnahme hat eine dramatische Geschichte

Aus Seoul, Barcelona, Los Angeles und Sydney hat Beerbaum eine olympische Goldmedaille mitgebracht. Und jede hat ihre dramatische Geschichte: Bei den Spielen 1988 in Seoul musste sich Deutschlands bester Springreiter in weniger als 48 Stunden auf das Ersatzpferd The Freak einstellen. In Barcelona 1992 konnte er im Nationenpreis gerade noch rechtzeitig von seiner Stute abspringen. Das Zaumzeug war gerissen, alles schien vorbei. Doch zwei Tage später gewann er in der Einzelwertung Gold. 1996 in Atlanta stand er mit dem Team auf dem obersten Treppchenplatz und führte in der Einzelwertung. Doch er konnte nicht antreten, weil Ratina verletzt war. Und auch in Sydney gab es vor vier Jahren Mannschaftsgold. Doch Ludger Beerbaum hatte mit dem Hengst Goldfever nichts dazu beigetragen. In beiden Umläufen des Nationenpreises waren die Stangen reihenweise gefallen.

Auch in Athen 2004 holten die Deutschen Mannschafts-Gold. Allerdings wurde dem Team der Sieg aberkannt - weil Beerbaums Pferd Goldfever positiv auf die verbotene Substanz Betamethason getestet wurde. Der Niedersachse verteidigte sich vehement gegen die erhobenen Dopingvorwürfe und wies nach, dass die Substanz durch eine Salbe, die zur Behandlung einer kleinen Verletzung aufgetragen wurde, in den Blutkreislauf des Pferdes gelangt war. Beerbaum übernahm die Verantwortung dafür, legte aber Wert darauf, dass es sich nicht um bewusstes Doping zur Leistungssteigerung handelte. 

2008 in Honkong bleib das deutsche Quartett, dem Ludger Beerbaum angehört, erstmalig seit 1992 ohne Medaille. Im Einzelspringen, das überschattet von Dopingfällen fast zu Nebensachen geriet, wurde er mit All Inclusive NRW siebter.

Besondere Leistungen